Assoziatives Schreiben

Geschreibsel

Vergangenes Wochenende war ich zu Gast beim Barcamp in Graz. Schaut auf den Link, wenn ihr wissen wollt was das ist, aber es ist wirklich super, kann ich nur jedem empfehlen! Eine Session stand jedenfalls unter dem Motto „Kreatives Schreiben“, also perfekt für Vielschreiber wie mich. Bei einer Übung zum assoziativen Schreiben mussten wir willkürlich ein Wort auf ein Blatt schreiben und an den nächsten in der Runde weitergeben. Dieser Vorgang wiederholte sich zehn Mal, sodass man am Ende ein Blatt Papier mit zehn bunt zusammengewürfelten Wörtern vor sich hatte, aus denen man eine Geschichte schreiben sollte. Meine Wörter und meine Geschichte könnt ihr bei Interesse unten lesen, nur leider hat das Werk noch keinen Titel, da ich nicht sonderlich kreativ bin was Überschriften anbelangt, allerdings wäre ich für jeden Vorschlag dankbar.

Das waren meine zehn Wörter:

  • Welle
  • Japan
  • Banane
  • Stern
  • Vielfalt
  • Roman
  • Jane Austen
  • Käsekuchen
  • Fett
  • Sturm

In dieser Geschichte geht es um Yui. Sie lebte in einem kleinen Dorf in Japan, so unbedeutend, dass es Zeitverschwendung wäre, seinen Namen zu nennen. An diesem besonderen Tag saß Yui am Strand. Der eisige Wind wehte ihr einzelne Strähnen ihres langen schwarzen ins Gesicht, doch das störte sie nicht weiter, sie war vertieft in ihren Roman.
Wie auch sonst an ihren freien Tagen, kam die junge Japanerin ans Meer um zu lesen. Zum wiederholten Mal lag Stolz und Vorurteil auf ihrem Schoß, ihr liebstes Werk von Jane Austen. Yuis Magen grummelte. Seufzend legte sie das Buch weg und begann in ihrer schwarzen Stofftasche zu kramen. Kurz ärgerte sie sich darüber, dass sie in ihrer Tasche alles fand, außer dem was sie suchte.
Schließlich hielt sie dann aber doch ihren Snack in der Hand: eine überreife Banane. Während sie an dem schon matschigen Obst herumkaute, dachte sie sehnsüchtig an den Käsekuchen, den ihre Mutter vom Vortag gebacken hatte. Leider enthielt der sehr viel Fett und Yui hatte sich vorgenommen in Zukunft besser auf ihre Figur zu achten. Nicht, dass sie nicht schlank gewesen wäre, doch die anderen Mädchen in ihrer Klasse brüsteten sich damit, sich selbst auf Modelmaße gehungert zu haben. Im Prinzip war es ihr egal was die anderen dachten, nur war sie der kritischen Blicke, mit denen sie stets gemustert wurde, leid geworden.
Als sie sich wieder ihrem Buch zuwendete, konnte Yui nicht umhin als erneut die Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren in dem Buch zu bewundern. Die ungestüme Elizabeth, den nachdenklichen Mr. Darcy, die schöne aber schüchterne Jane… Yui würde dafür töten, solche Geschichten schreiben zu können!
Eine starke Windböe fuhr je durch die Seiten des Buches und lies sie wild durcheinander flattern. Dabei entdeckte die junge Japanerin, dass irgendjemand einen Stern mit pinkem Leuchtstift quer über eine Seite gemalt hatte. Wie konnte jemand einem Buch so etwas antun? Aber das war nichts neues für sie. Bei den meisten Büchern, die sie sich aus der Bibliothek holte entdeckte sie Kritzeleien, blöde Kommentare oder Essensflecken. Für das Lesen nahm Yui diese Unannehmlichkeiten aber gerne in Kauf, denn sie hatte nicht genug Geld, um sich die Bücher selbst zu kaufen.
Der Wind wurde stärker. Er wirbelte Staub auf und trieb ihn in Yuis Augen, sodass es ihr unmöglich war, weiterzulesen. Fröstelnd packte sie das Buch ein und stand auf. Sie zog ihre Jacke zum Schutz vor dem Sturm fest um sich und warf bevor sie ging noch einen letzten Blick aufs Meer. Durch ihre vom Staub tränenverschleierten Augen sah sie verschwommen etwas großes am Horizont. Sie rieb sich die Augen und sah genauer hin. Eine gigantische Welle rollte mit rasender Geschwindigkeit auf den Strand zu. Yui hatte zwar paar Tage zuvor einem Seebeben gehört, aber es war nie eine Warnung gekommen. In ihrem Schock ließ sie ihre Tasche fallen und sprintete los. Sie musste sich in Sicherheit bringen. Das Buch jedoch blieb am Strand zurück und flatterte munter weiter im Wind.

Wie hat euch die Geschichte gefallen? Hattet ihr bei diesen zehn Begriffen eine andere Geschichte im Kopf? Und ich freue mich natürlich über sämtliche Titelvorschläge zu meiner Geschichte.😉

„Manche lächeln sogar“

Ernstes

Das Apallische Syndrom, oder gemeinhin Wachkoma, ist eine Krankheit über die kaum jemand Bescheid weiß. Bekanntheit erlangte sie durch seinen berühmtesten Patienten: Michael Schumacher. Seit seinem Unfall im Dezember 2013 befindet auch er sich in diesem Zustand. Ob er irgendwann sein Bewusstsein zurückerlangt, kann niemand sagen. Medien spekulieren, während die Öffentlichkeit gespannt auf ein Lebenszeichen wartet. Dr. Gerald Pichler, der Leiter der Wachkomastation der Albert-Schweitzer-Klinik in Graz, kennt dieses Warten. Er arbeitet tagtäglich mit Menschen, die in diesem Zustand gefangen sind – gefangen zwischen Leben und Tod.

Dr. Gerald Pichler arbeitet tagtäglich mit Wachkomapatienten.

Dr. Gerald Pichler ist einer der steirischen Spezialisten zum Thema Wachkoma.

Durch Michael Schumachers Unfall wurde das Thema Wachkoma von den Medien aufgegriffen, trotzdem können die wenigsten Menschen mit dem Begriff etwas anfangen. Warum glauben Sie, ist das so?
Das hat mehrere Gründe. Wachkoma ist eine seltene Krankheit, nur ein sehr kleiner Teil der österreichischen Bevölkerung ist davon betroffen. Krankheiten sind immer unangenehm und wir Menschen neigen dazu, solche Dinge fortzuschieben und aus unserem Bewusstsein zu verdrängen.

In den Medien wurde immer eine andere Diagnose gestellt. Einmal hat Schumacher das Apallische Syndrom, einem anderen Medium zufolge liegt er wieder im Koma. Wachkoma und Koma sind zwei unterschiedliche Erkrankungen, somit trägt das doch zu einem falschen Bild bei. Stört es Sie, dass die Medien mit diesen medizinischen Begriffen um sich werfen?
Dass die Medien sich mit diesen Begriffen nicht so genau auseinandersetzen, ist nicht weiter wunderlich, denn nicht mal in Fachkreisen ist man sich bei den genauen Begriffsunterscheidungen sicher. Was aber mehr zu einem falschen Bild beiträgt, sind aktuelle Fälle, wie die des Südsteirers Christian, der vor vier Jahren nach einem Verkehrsunfall ins Wachkoma fiel, aber nach seiner Betreuung zu Hause bereits jetzt wieder alleine gehen kann. Ich hatte persönlich mit Christian zu tun und der Zustand in dem er damals unsere Klinik verließ, kann nicht mehr als Wachkoma bezeichnet werden. Er war schon damals am Weg zur Genesung.

Egal, ob ein Patient daheim oder professionell betreut wird, für die Angehörigen der Patienten entstehen enorme Belastungen, nicht nur finanziell, sondern auch psychisch. Gibt es für sie Hilfe, damit sie lernen mit der Situation umzugehen?
Natürlich gibt es Hilfe für die Angehörigen, denn diese Situation ist ohne Frage eine starke emotionale Belastung. Der Verein „Initiative für Menschen im Wachkoma“ bietet eine umfassende Betreuung für die Angehörigen der Patienten, die nicht stationär behandelt werden.

Das wusste ich nicht, ich dachte der Verein würde nur Hilfe für die Patienten selbst anbieten?
Nein, wir helfen auch den Angehörigen. Bei Patienten, die hier behandelt werden, gibt es das auch. Nicht nur psychische Beratung, sie werden auch aktiv in die Therapie mit einbezogen. Die emotionalen Bindungen einer Familie zum Patienten sind sehr wichtig, da sie die Anreize geben könnten, auf die der Patient reagiert.

Ob sich jemand erholt ist von Fall zu Fall verschieden. Ist es nicht auch für Pfleger eine Belastung tagtäglich in Kontakt mit Wachkomapatienten zu stehen, ohne zu wissen, ob sich die Mühe auch lohnt?
Es ist sogar eine enorme Belastung, die Pfleger sind ja immer an den Patienten dran. Es ist vor allem emotional belastend, da man sich als Pfleger ganz auf den Patienten einlassen muss. Wir behandeln jeden Patienten individuell, dadurch bekommen sie ein Gesicht, anders als wenn wir alle pauschal behandeln würden. Das macht es natürlich schwerer für die Pfleger, aber sie haben gelernt damit umzugehen. Vor allem sind sie trotzdem mit viel Freude und Engagement bei der Sache. Wir haben Patienten, die sich gut wieder in die Gesellschaft eingliedern können, einer arbeitet jetzt sogar als Tischler in einer Tagesstätte. Aber auch kleinere Erfolge lösen eine große Freude aus und zeigen uns, dass sich die anstrengende Arbeit lohnt.

Den Verein „Initiative für Menschen im Wachkoma“ gibt es bereits seit 2002. Hat sich die Arbeit durch medizinische Fortschritte geändert, wodurch jetzt mehr Menschen geholfen werden kann?
Definitiv, aber das hat weniger mit der Medizin zu tun. Bei uns ist es durch die stark betriebene Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren gelungen, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und vor allem der Politik auf dieses Thema zu lenken. Den größten Erfolg konnten wir 2008 verzeichnen. Damals ist es uns gelungen, dass das Land 20 Betten für unsere Nachbehandlungsstation finanziert. Konnten wir bis dato nur acht Patienten pro Jahr aufnehmen, so sind es jetzt an die 30. Und das ist schon ein schöner Fortschritt.

Mit Hilfe der steirischen Landesregierung kann an der Albert-Schweitzer-Klinik jetzt mehr Wachkomapatienten geholfen werden.

Mit Hilfe der steirischen Landesregierung kann an der Albert-Schweitzer-Klinik jetzt mehr Wachkomapatienten geholfen werden.

Viele Verletzungen entstehen durch Verkehrsunfälle oder Sportunfälle. Manche Menschen werden reanimiert und geraten dadurch in diesen Zustand. Wäre es da nicht besser, die Menschen einfach dem Tod zu überlassen?
Hierbei muss man unterscheiden. Die Fälle, in denen Menschen nach Reanimation in diesen Zustand fallen sind extrem selten. Und diese können meist nicht ohne lebenserhaltende Maßnahmen, wie Beatmungsmaschinen, leben. Da ist man natürlich irgendwann am Überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre die Maschinen abzustellen. Der durchschnittliche Wachkomapatient kann aber selbstständig atmen und hat einen Herzschlag. Sie sind auch alleine lebensfähig, die anderen nicht. Natürlich gibt es solche Fälle, aber das ist ein heikles Thema, das schon in Richtung Sterbehilfe geht. Und das ist für mich absolut nicht vereinbar.

Wie fühlt es sich Ihrer Vorstellung nach an in diesem Zustand zu sein?
Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Natürlich gibt es das „reine“ Wachkoma. Man ist zwar wach, hat die Augen offen, aber kein Bewusstsein. Normalerweise zeigen Patienten zumindest ein kleines Maß an Bewusstsein. Manche lächeln sogar, also schätze ich, dass sie so eine Art Zufriedenheit zeigen. Ich will nicht sagen sie wären glücklich, von Glück kann man in diesem Fall nicht sprechen, aber zumindest haben sie keine Schmerzen. Andere wiederum zeigen, dass es ihnen nicht gut geht und sie Schmerzen haben. Wenn man genau aufpasst, kann man all das beobachten, auch wenn jemand auf den ersten Anschein kein Bewusstsein zeigt.

Interview vom 15. April 2014